Atheisten auf der Kanzel
Klaas Hendrikse und Dr. theol. Paul Schulz
1. Der Fall Klaas Hendrikse
Von entscheidender Bedeutung ist nicht nur, dass die Durchsetzung der weltlichen Vernunft innerhalb unserer säkularen Gesellschaft stattfindet.
Eigentlich sollte weltliche Rationalität in unserer Gesellschaft wie selbstverständlich ein unverwechselbares Wesensmerkmal sein
- was es allerseits leider gerade in unseren Tagen überhaupt gar nicht ist. Die religiösen Kräfte sind an allen Ecken und Enden am Werk.
Mit Übereifer diskreditieren sie mit ihren Glaubensbekundungen oft die einfachtsen logischen Zusammenhänge, indem sie überall das Etikett "Gott" aufkleben.
Deshalb ist es genauso wichtig, den Säkularisierungsprozess mitten in der Kirche und in den Religionsgemeinschaften voranzutreiben.
Die Durchsetzung der weltlichen Vernunft ist vor allem auch ein Prozess in der Kirche und Religion selbst. Die Aufklärung muss "von drinnen" kommen,
aus der Mitte der Institution selbst.
In diesem Sinne ist über einen sensationellen Vorgang zu berichten, nämlich über
Klaas Hendrikse, einem Atheist als Pastor auf der Kanzel.
Dazu die Fakten:
1. In der Protestantischen Kirche der Niederlande (PKN) wird ganz aktuell der Gott-Streit des Pastors Klaas Hendrikse verhandelt. Pastor Hendrikse predigt auf seiner Kanzel,
"dass es Gott nicht gibt". Er löst damit Proteste und Widerstand in seiner Gemeinde aus. Der Fall hat inzwischen auch in Deutschland Aufsehen erregt
(Siehe dazu Frankfurter Rundschau vom 9. Februar 2010 = DokumentationTeil 5: Zeitungsartikel Klaas Hendrikse).
2. Die regionale Kirchenleitung der PKN beschließt, dass Pastor Hendrikse seine Predigten, dass es Gott nicht gibt, in der Kirche und damit in der Gemeinde fortsetzen darf.
Sie stellt richtungsweeisen fest: ... dass ein Pfarrer sagt, "Gott bestehe nicht", ist ein Teil der theologischen Debatte. Eine solche Meinung tastet die Fundamente der Kirche nicht an.
Die Proteste von konservativen Gläubigen in der Gemeinde sind nicht Grund zum Verbot dieser Predigten oder zur Suspendierung des Pastors.
3. Vielmehr begründet die regionale Kirchenleitung ihre Offenheit mit dem Beschluss, sie wolle sich notwemndigerweise von antiquierten Gott-Vorstellungen lösen.
Deshalb beschließt die PKN, dass zur Weiterführung des Gott-Streites die theologischen Fragen als zentrales Thema auf einer Synode behandeölt werden sollen und müssen.
Eine theologische Sensation.
2. Der Fall Paul Schulz
Der aktuelle Gott-Streit des Pastors Klaas Hendrikse ist theologisch und kirchenrechtlich aufs engste verbunden mit dem Gott-Streit des ehemaligen Pastors Dr. Paul Schulz
von der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg und rückt den Fall Paul Schulz aus den Jahren 1970 - 1979 theologisch und rechtlich ganz neu ins Blickfeld.
Auch Dr. Schulz hat in seiner Gemeinde als Pastor auf der Kanzel gepredigt, "dass es Gott so, wie die Kirche und die Bibel es behaupten, nicht gibt".
Anders als im Fall Klaas Hendrikse hat die protestantische Amtskirche im Fall Paul Schulz diesen Denkprozess per Lehrzuchturteil gestoppt.
Nach einem spektakulären "Ketzerprozess" hat sie Schulz wegen seiner Gottesaussagen als Pastor seines Amtes enthoben und aus dem
Pastorenamt entlassen.
Aufgrund des Falls Hendrikse hat Dr. Schulz am 21. April 2010 einen Antrag auf Wiederaufnahme und Revision des Lehrzuchtverfahrens gestellt
mit dem Ziel der Aufheben des Lehrzuchturteils gegen ihn.
Es kann nicht sein, dass die Amtskirche an einer Stelle ultimativ bestraft, was sie an anderer Stelle gutheisst und fördert.
Schulz fordert deshalb als Theologe gleiches Recht - auch für sich.
3. Der Revisionsprozess
Sie haben hier die Möglichkeit, alle Teile der Revisionsschrift zu lesen:
Einleitung: Für eine neue Kirchlichkeit
Teil 1 - Juristischer Antrag und Materielle juristische Begründung
Teil 2 - Theologische Begründung von Dr. Paul Schulz
Teil 3 - PRESSE EXZERPT aus der Theologischen Begründung
Teil 4 - Weitere Hinweise
Teil 5 - Frankfurter Rundschau - Der gottlose Pfarrer Klaas Hendrikse
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